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Kristina Marlen

Sexarbeiterin, Tänzerin, Sängerin, Performerin

Zwischen Stigma und Selbstermächtigung – Sexarbeit als Praxis für sexuelles Selbstbewusstsein

Die öffentlichen Debatten um Sexarbeit, oder wie es im Gesetz heißt, Prostitution, verlaufen polarisierend, emotional und selten konstruktiv. Frenetische Prostitutionsgegner*innen setzen sich vermeintlich für die Rettung „Hunderttausender“ Zwangsprostituierter ein. Demgegenüber wird das Bild der privilegierten Edelhure oder Domina aufgebaut, deren Existenz „nicht repräsentativ“ sei und deren Versuche, sich für ihre freie Berufsausübung einzusetzen, als zynisch und menschenverachtend dargestellt wird.

Die Huren- oder Sexarbeitsbewegung fordert indessen Respekt und Anerkennung und versucht ein realistisches Bild von Sexarbeit mit all ihrer Unterschiedlichkeit im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Wir kämpfen für unsere Rechte, weil nur eine Stärkung der Position von Sexarbeiter*innen Elend und Missständen in der Branche entgegenwirken kann.

Dieser Vortrag ist ein Versuch anhand konkreter Fallbeispiele, einige der Mythen und Glaubenssätze um Prostitution und Sexarbeit zu dekonstruieren.  Er soll zeigen, warum Sexarbeit ein Ort für sexuelle Bildung und Entwicklung sein kann. Die Frage, wie Sexarbeiter*innen ihren Arbeitsplatz gestalten, wie wir sexuelle Kommunikation und Verhandlung herstellen, wie Konsens entsteht –  all das kann auch für unseren privaten Beziehungen relevant sein.

Sexarbeiter*innen sind Profis und haben enormes Wissen für sexuelle Praxis weiterzugeben. „Sprecht mit uns, nicht über uns“ ist ein Slogan unserer Bewegung, der nicht nur uns zugute kommen soll. Sexarbeit ist relevant für unsere sexuelle Kultur. Der Angst vor dem Sexuellen können wir nicht weiter mit Stigma und Ressentiment begegnen, sondern mit offener Kommunikation und einer beherzten Sexpositivität.

Zur Person

Kristina Marlen ist Sexarbeiterin in Berlin. Sie studierte Jura und Physiotherapie bevor sie sich
entschloss, ihren Schwerpunkt auf Sexarbeit zu legen.

  • In ihrer Arbeit kombiniert sie das tantrische Ritual mit Elementen des BDSM.
  • Ihre Leidenschaft gilt der japanischen Seilbondage.
  • Sie gibt Sessions und unterrichtet Workshops zu den Themen kreative Sexualität, sexuelle Kommunikation, Körperarbeit, BDSM
    und Bondage.
  • Sie richtet sich an alle Geschlechter und sexuellen Orientierungen.
  • Sexarbeit is Berufung, Leidenschaft und Vision für sie. Sie glaubt, dass Sexarbeit unser Leben
    und unsere Gemeinschaften bereichern können.
  • Sie ist Mitglied im BesD (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen) und setzt sich für eine emanzipatorische Praxis in der
    Sexarbeit ein – sowohl am individuellen Arbeitsplatz als auch in der medialen Darstellung des
    Berufs.
  • Sie ist außerdem Tänzerin, Sängerin und Performerin.

Als Aktivistin arbeitet sie konstant an einer Vision, wie selbstbestimmte und gestärkte Sexarbeiter*innen die Welt verändern können – indem sie Intimität, Berührung, Wissen und Lust teilen. Sexuelle Bildung und beherzte Praxis gehen Hand in Hand.

Medienberichte/Interviews 
TV, on Air  (“Frauen kaufen Sex”), ZEIT,  ZEIT online

www.marlen.me